Hintergrund

Hunderttausende Einwanderer sind seit der EU-Osterweiterung 2004 nach Westeuropa geströmt. Viele haben Erfolg und lassen das Finanzsystem gedeihen. Doch die am unteren Ende, die ohne Berufsausbildung, die nur ihre Muttersprache sprechen, sind zu einer neuen Form der Arbeitskraft geworden. Sie kommen in Erwartung eines vernünftigen Lohnes und in dem Glauben, dass sie in Vollzeit arbeiten können. Stattdessen finden sie sich als Teil einer Masse von Gelegenheitsarbeitern wieder, die morgens nicht wissen, ob sie arbeiten werden oder nicht und die häufig durch Schulden an ihren Arbeitgeber gebunden sind.

 

Westeuropa ist mehr als glücklich, dass es sie gibt: Jobs werden gemacht, die die einheimische Bevölkerung nicht haben will. Die Arbeitgeber wissen, dass die Profite ohne die Arbeit der Einwanderer sinken würden. Tatsächlich werden Arbeitskräfte aus dem Ausland häufig bevorzugt eingestellt, vor allem in der Landwirtschaft und in der Gastronomie. Man zieht sie vor, weil sie qualifizierter und “flexibler” sind.

 

Flexibilität ist ein bedeutungsschwerer Euphemismus. Die gesetzlich verankerte Deregulierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes macht es möglich, dass Leiharbeiter über Jahre hinweg unbefristet an Unternehmen verliehen werden können. Auch wenn einige Einwanderer gar keine festen Verträge wollen, wird Flexibiltät viel zu oft als Arbeitskraft auf der Basis von 'hire and fire' verstanden, die ungestraft schlecht behandelt und unterbezahlt werden kann. Im Durchschnitt erhalten Leiharbeiter in Deutschland 30-40 Prozent weniger Lohn als Festangestellte.

 

Als Gegenleistung für ihre Flexibiltät bekommen diese ArbeiterInnen kaum Rechte. Ihnen wird beispielsweise temporäre und einmalige Beurlaubung angeboten. Aber das führt dazu, dass sie für ihre Rechte am Arbeitsplatz nicht mehr eintreten können, da mindestens 12 Monate Beschäftigung erforderlich sind, um gegen eine ungerechtfertigte Entlassung vorgehen zu können.

 

Einige dieser Menschen arbeiten illegal. Es ist eine Ironie des Systems, dass die Symptome einer deregulierten Wirtschaft – private Arbeitsvermittlung, Outsourcing, Subunternehmen und undurchsichtige Subunternehmens-Verträge – die Existenz von Zwangsarbeit, Schwarzarbeit und Arbeit illegaler Einwanderer nicht nur befördern, sondern auch verschleiern. Wenn Papiere verschwinden, ist der Schuldige nicht auszumachen und das kommt allen Beteiligten sehr entgegen. Es ist unter den bestehenden Umständen kein Zufall, dass ausschließlich die Arbeiter und Arbeiterinnen für das Versagen der Verwaltung bezahlen muss, die die Papiere nicht überprüft. Wollten die westeuropäischen Regierungen tatsächlich gegen Ausbeutung vorgehen, würden zuerst die Arbeitgeber für die illegale Beschäftigung von Einwanderern unter prekären Bedingungen bestraft.